Fähre

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1. Hüossen
2. Fähre
3. Hungerstein
4. Kirche
5. Gasthaus Anker
6. Spritzenhaus
7. Hof von Korff
8. Bäckerei
9. Niependoor
10. Kuhkamp
11. Obsthof

 

Fähre

1389 wurde erwähnt, dass Ländereien Hajens auf beiden Seiten der Weser liegen, Also dürfte es zu der Zeit bereits eine Fähre gegeben haben; schriftlich erwähnt ist sie aber erst im Jahre 1514. Die Fährgerechtigkeit, zunächst an den Behlingschen Hof gebunden, wurde im 19. Jahrhundert an die Gemeinde veräußert.

Ab 1858 gab es ein abzusenkendes Niedrigseil, seit 1930 gibt es das Hochseil.

Bei zugefrorener Weser musste der Fährmann dafür sorgen, dass der Weg über das Eis sicher war. 1931 sorgte der Eisgang dafür, dass das Seil riss und die Fähre vom Hamelner Wehr abgeholt werden musste.

Aus Sicherheitsgründen musste der Betrieb 1972 eingestellt werden. Vor allem Bäckermeister Wilhelm Bente und die Forst-Interessentenschaft engagierten sich für die Wiederaufnahme des Betriebes. Am 23.06.1977 gab es ein Volksfest, als die Fähre erstmals wieder übersetzte.

Fast 20 Jahre später drohte abermals das endgültige Aus. Die Gemeinde wollte den für sie unrentablen Betrieb einstellen. Eine Bürgerinitiative bildete sich. Zeitung, Rundfunk und Fernsehen berichteten ausführlich. Nach zähen Verhandlungen wurde in einem Kompromiss erreicht, dass die Fähre eingeschränkt erhalten blieb. Im Jahr 2011 kam dann aber das endgültige Aus. 

Der Bahnhof am Ruhberg – Hajens Tor zur Welt

Im Jahr 1900 wurde die Bahnstrecke Vorwohle–Emmerthal eröffnet. Fünf Jahre zuvor hatte die Familie Kohlenberg direkt am Ruhberg eine Gastwirtschaft gegründet – ein glücklicher Zufall, denn bald kamen Reisende, Arbeiter und Schüler täglich am Bahnhof vorbei.

Die Bahn transportierte nicht nur Menschen, sondern auch große Mengen an Gütern: Stein aus den Brüchen, Gips, Holz und vieles mehr. Für die Hajener war die Verbindung besonders praktisch. Sie setzten mit der Fähre über und fuhren von dort zur Schule, zur Arbeit oder in die Stadt.

Eine beliebte Anekdote erzählt, dass die Lokführer der Wirtin per Pfeifsignal mitteilten, wie viele Bier sie zum Zug bringen sollte. Und die Dorfjungen? Die hatten ihren eigenen Spaß: Da die Strecke Richtung Grohnde anstieg, schmierten sie manchmal Seife auf die Schienen, sodass die Räder durchdrehten und der Heizer Asche streuen musste. Ein Streich, der im Dorf lange für Gelächter sorgte.

1966 wurde der Personenverkehr eingestellt, und die Strecke verfiel langsam. Doch 2015 kaufte die Firma Reese & Lammertz die Trasse, sanierte sie und nutzt sie seitdem wieder – diesmal für Kies- und Sandtransporte.

 

Have

Die Wort-Bezeichnung beschreibt ein hoch gelegenes hängiges Grundstück. Dort konnten Schiffe bei unterschiedlich hohen Wasserständen festmachen.

Auf Grund der unregelmäßigen Wasserstände ist die Oberweser für die heutigen großen Frachtschiffe nicht mehr befahrbar. Sie ist daher keine Bundeswasserstraße mehr. Der Holzreichtum der Oberweser sorgte für häufigen Floßverkehr. Das letzte gewerbliche Floß fuhr 1964 hinab.

Auf der Have befindet sich jetzt ein Sommercafé. Dort steht die vom Hajener Künstler geschaffene Skulptur „Der Rufer“, der „hol über“ ruft.„Katern- oder Kattenhajen“ – ein Name, der bis heute an diese köstlich-kuriose Geschichte erinnert.

Die Kapelle in der Weser – ein musikalisches Abenteuer

Oberhalb der Fähre veranstaltete die Feuerwehr jedes Jahr ihr traditionelles Kartoffelbraten an der Weser. Eines Abends war das Fest schon weitgehend verklungen – nur in der Gastwirtschaft „Zum Ruhberg“ brannte noch Licht. Die Weser führte Niedrigwasser, und so kam den Musikern der Feuerwehrkapelle ein kühner Gedanke: Warum nicht noch schnell auf ein Bier hinüber?

Gesagt, getan. Die Kapelle stellte sich ordentlich in Reih und Glied auf und marschierte – in voller Uniform aus schwerem Wolltuch – mit zünftiger Blasmusik direkt durch die Weser. Doch mitten im Fluss musste die Musik abrupt verstummen: Der Mann mit der Pauke war ins Straucheln geraten, und die Paukenhaut hatte sich im Wasser so vollgesogen, dass kein Ton mehr herauskam.

In der Gastwirtschaft angekommen, spendierte ein Freund der Blasmusik eine Runde. Die Stimmung war prächtig – bis es ans Bezahlen ging. Als der großzügige Spender einen triefend nassen Geldschein aus der Hosentasche zog, bemerkte der Wirt, dass sich inzwischen eine breite Wasserbahn über seinen Holzboden zog. Die Kapelle hatte den halben Fluss mitgebracht.

Währenddessen hatten die teils besorgten, teils wütenden Ehefrauen längst Alarm geschlagen. Sie holten den Fährmann aus dem Bett, der einen Teil der zwölfköpfigen Marschgruppe sicher zurück ans heimische Ufer brachte. Die anderen jedoch bestanden darauf, genauso zurückzukehren, wie sie gekommen waren – nämlich wieder zu Fuß durch die Weser.

So spielte sich im Jahr 1964 eine der amüsantesten Episoden der Hajener Dorfgeschichte ab – ein Abend, an dem die Feuerwehrkapelle nicht nur Musik, sondern auch jede Menge Wasser in Bewegung brachte.