Spritzenhaus

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1. Hüossen
2. Fähre
3. Hungerstein
4. Kirche
5. Gasthaus Anker
6. Spritzenhaus
7. Hof von Korff
8. Bäckerei
9. Niependoor
10. Kuhkamp
11. Obsthof

 

Die Feuerwehr – vom Pflichtdienst zur starken Gemeinschaft

Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Hajen noch eine Pflichtfeuerwehr. 1881 schaffte das Dorf eine neue Feuerlöschspritze an – die Saugpatentspritze Nr. 1, komplett mit Zubehör und 60 Metern Schlauch. Kostenpunkt: stolze 3000 Mark. Diese historische Spritze ist bis heute erhalten.

Am 22. April 1883 gründeten 42 Bürger die Freiwillige Feuerwehr Hajen – die drittälteste im gesamten Landkreis. Kurz darauf entstand das Spritzenhaus, das bis 1982 genutzt wurde. Dann zog die Feuerwehr in ihr neues Gebäude in der Bauernstraße um.

Technisch entwickelte sich die Wehr stetig weiter:

    1941 erhielt sie ihre erste Motorspritze,

    1967 folgte ein Tragspritzenfahrzeug.

Der Musikzug, der 1953 gegründet wurde, existiert heute leider nicht mehr. Sehr aktiv ist jedoch die Jugendfeuerwehr, die seit 1968 besteht und bis heute ein wichtiger Teil des Dorflebens ist. 

Der Tie – ein Platz mit langer Geschichte

An der Abzweigung der Fährstraße von der Thingstraße liegt ein besonderer Ort: der Tie (auch Thie). Umgeben von einer Mauer und alten Linden, wirkt er wie ein Platz voller Geschichten – und das ist er auch.

Tie oder Thing? Zwei Begriffe, zwei Bedeutungen

Oft wird behauptet, Tie und Thing hätten denselben Ursprung. Das stimmt jedoch nicht: Thing bedeutet „Ding/Sache“ und bezeichnete im Mittelalter große Volks-, Heeres- und Gerichts-versammlungen mit überörtlicher Bedeutung.

Tie hingegen leitet sich von „zeigen/anzeigen“ ab und war der bäuerliche Versammlungsplatz eines Dorfes. Der germanische Laut Th verschwand im Mittelalter aus der deutschen Sprache. Erst ab dem 18. Jahrhundert schrieb man wieder „th“, sprach es aber als „t“ aus – daher die Verwirrung.

Was geschah auf einem Tie?

Ein Tie war der Ort, an dem die Dorfgemeinschaft ihre Angelegenheiten regelte:  Flurnutzung, Holzfrevel, Weiderechte,   Grenzstreitigkeiten,  Bekanntmachungen und Feierlichkeiten

Versammlungen wurden mit Glockengeläut einberufen. Wenn keine Versammlung nötig war, gingen Nachrichten von Haus zu Haus.

Tie-Plätze findet man vor allem zwischen Ostholland, Magdeburg, Hannover und Kassel. Typisch sind: eine Steinmauer,  schattenspendende Linden,  ein erhöhter Platz mit Steinbänken und Tisch. 

Wie alt ist der Hajener Tie?

Diese Frage bleibt offen. Sicher ist: Hajen wurde sehr früh besiedelt. Namen wie Hünenkuhle, Hackelberg und Predigtstuhl weisen darauf hin. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus der Zeit kurz nach 800. Ob damals bereits ein Tie existierte, lässt sich nicht beweisen – möglich wäre es.

Die Schmiede Hobein – Funkenflug im Dorfkern

Gleich neben dem Spritzenhaus befand sich die Schmiede Hobein. Sie war über viele Jahrzehnte ein unverzichtbarer Handwerksbetrieb im Dorf. Hier wurden Pferde beschlagen, Geräte repariert und Metallarbeiten aller Art ausgeführt – ein Ort, an dem es immer klirrte, hämmerte und funkte. 

Das Ehrenmal – Erinnern und Mahnen

1932 wurde ein Teil des Tie überbaut, um das Ehrenmal für die Gefallenen zu errichten.

Die Namen der 28 Gefallenen des Ersten Weltkriegs wurden 1963 ergänzt um die Namen der Opfer des Zweiten Weltkriegs.  Auch Angehörige von Flüchtlings- und Vertriebenenfamilien wurden genannt.

Hajen im Nationalsozialismus und im Krieg

In der NS-Zeit fanden auf dem nahegelegenen Bückeberg die Reichserntedankfeste statt – viele Hajener waren an Vorbereitung und Durchführung beteiligt.

Der Zweite Weltkrieg hinterließ auch im Dorf tiefe Spuren:

Ein amerikanischer Bomber stürzte am Ortsrand ab; die Toten wurden zunächst in Hajen bestattet.

Ein US-Soldat, der mit dem Fallschirm in die Weser stürzte, wurde von Hajenern in Gefangenschaft genommen.

Auf dem Friedhof liegen zwei deutsche Soldaten, die aus der Weser geborgen wurden.

Bei einem Tieffliegerangriff auf den Triebwagen starben vier Kinder, darunter die 12‑jährige Elfriede Lutter.

1945 richteten die Amerikaner im Wohnhaus des Hofes Lange (heute Lüthe) ein Lazarett ein.

Flüchtlinge und Neubeginn

Nach dem Krieg kamen viele Flüchtlinge und Vertriebene nach Hajen. 1942 war der Dampfer „Kaiser Wilhelm“ voller Menschen, die eine neue Heimat suchten.

Die Einwohnerzahlen zeigen die Veränderungen deutlich:

    1939: 530 Einwohner,     1946: 1030 Einwohner,     1972: 567 Einwohner

    heute: etwa 400 Einwohner.