Kuhkamp

10

1. Hüossen
2. Fähre
3. Hungerstein
4. Kirche
5. Gasthaus Anker
6. Spritzenhaus
7. Hof von Korff
8. Bäckerei
9. Niependoor
10. Kuhkamp
11. Obsthof

 Landwirtschaft – wo Hajen seine Wurzeln hat

Die Gemarkung Hajen liegt gut geschützt und ordentlich eingerahmt:

Im Süden die frühere Regierungsgrenze Hannover–Braunschweig (heute Landkreisgrenze Hameln-Pyrmont–Holzminden), im Osten die Waldkante des Eichberges, im Norden die Ilse und im Westen der Ruhberg mit seinem Forstverband. Dazwischen liegen rund 710 Hektar Fläche – überwiegend landwirtschaftlich genutzt und seit jeher die Lebensgrundlage der Hajener.

Früher war das Landleben allerdings kein Spaziergang. Die Höfe waren ihren Grundherren zu Diensten verpflichtet. Für das Amt Grohnde mussten im Jahr 1753 die Meier und Kötner jede Woche einen Arbeitstag leisten – die Meier sogar mit Pferden. Beibauern waren immerhin nur alle 14 Tage dran. Dazu kamen Sonderdienste wie Erntearbeit, Kötnerpflügen, Schafschur, Flachsbereiten und sogar das Aufeisen der Weser. Langeweile kannte man also nicht.

Unter dem Vorsitz des Bauermeisters wurde genau festgelegt, welche Fruchtfolge auf den gemeinschaftlich genutzten Flächen angebaut wurde. Das Vieh trieben die Hirten auf gemeinsame Weiden – woran heute noch Flurnamen wie Fickelkamp, Reuterkamp und Kuhkamp erinnern.

 

Milch – vom Dorf zur Molkerei

1891 gründeten Landwirte aus Börry und den umliegenden Gemeinden eine Molkerei in Börry. Mit dem Pferdefuhrwerk ging es in Schlangenlinien von Milchbank zu Milchbank, um die schweren Milchkannen im Dorf einzusammeln. Diese Milchbänke waren nicht nur Übergabestellen, sondern auch beliebte Treffpunkte der Dorfjugend. Wo Milch stand, wurde geredet – manchmal länger als nötig.

Karl Meyer jun. führte die Familientradition weiter. Nach der Schließung der Molkerei Börry begann er als Milchfahrer in Hameln. Am 1. Dezember 1994 übernahm er den Fuhrpark der Molkerei und gründete sein eigenes Unternehmen.

Von 2001 bis 2021 führten seine Tochter Meike und ihr Mann Jörg Flügge-Kranz den Betrieb. Mit bis zu sechs Beschäftigten transportierten sie Milch, Molke und Säfte in Tank-Aufliegern – vor allem durch Norddeutschland, teils durch ganz Europa.

Und falls sich jemand wundert: Milchkühe gibt es im Dorf schon lange nicht mehr.  

 

Spedition Kleina – vom Einzelkämpfer zum Familienbetrieb

1978 gründete Jochen Kleina seine Spedition. Im Güterfernverkehr war er zunächst mit einem LKW unterwegs – und saß natürlich selbst am Steuer. Spedition hieß damals: fahren, laden, reparieren und abrechnen. Alles in einer Person.

1990 kam ein zweiter LKW dazu – ein deutliches Zeichen, dass das Geschäft lief.

Der nächste Schritt folgte mit der nächsten Generation: Sohn Achim Kleina startete seine selbstständige Tätigkeit im Güternahverkehr, ebenfalls erst einmal mit einem LKW.

1994 kam der zweite, 1998 gleich zwei weitere Fahrzeuge hinzu. Es wurde also langsam eng auf dem Hof (ehemals Zimmerei Ebbecke)– aber gut fürs Geschäft.

Im Jahr 2003 übernahm Achim Kleina schließlich das Unternehmen seines Vaters. Aus der Ein-Mann-Idee war ein solider Familienbetrieb geworden – mit ordentlich PS.

Scheune Pflughaupt (heute Erdmann)

Hier steht die ehemalige Feldscheune von Friedrich Wilhelm Pflughaupt (Hofstelle heute Nr. 18). Pflughaut war ein Mann mit Geschäftssinn: Er betrieb einen Zeltverleih und eine fahrbare Bandsäge.

In der Scheune stand außerdem eine Dreschmaschine. Bauern ohne eigene Technik kamen zum Lohndreschen hierher. Wenn die Maschine lief, war richtig was los – und wer zusah, lernte gleich noch etwas fürs Leben.

Probleme mit der Milch – ein Dorfkrimi

Die Milch aus Hajen wurde von einem der Bauern zur Molkerei nach Börry gefahren. Das brachte ihm ein kleines Zubrot ein – eigentlich eine feine Sache.

Nur wunderte man sich: Trotz besten Futters hatte die Milch immer zu wenig Fett. Und das regelmäßig. Irgendetwas stimmte da nicht.

Einem der betroffenen Bauern ließ die Sache keine Ruhe. Er beschloss, dem Ganzen auf eigene Faust auf den Grund zu gehen – und wählte eine eher ungewöhnliche Methode: Er hängte sich heimlich unter den Milchwagen. Heute würde man das wohl „Undercover-Ermittlung“ nennen.

Der Wagen rumpelte aus dem Dorf hinaus, hielt aber schon bald an der Mergelkuhle. Dort griff der Milchfahrer zur Kelle, schöpfte aus jeder Kanne ein wenig Rahm und füllte ihn seelenruhig in seine eigenen Kannen um.

Als der Wagen wieder anfuhr, kletterte der blinde Passagier nach oben – und verteilte den Rahm kurzerhand zurück. Vom Hufgeklapper und dem Geklapper der Kannen bekam der Betrüger nichts mit.

In der Molkerei folgte dann die Überraschung: Seine Milch hatte plötzlich zu wenig Fett. Der Milchfahrer tobte, schimpfte und beteuerte, das könne überhaupt nicht sein.

Erst jetzt meldete sich der heimliche Mitfahrer zu Wort und klärte die Sache auf.

Es war übrigens der letzte Milchtransport, den dieser Bauer für seine Kollegen fahren durfte. Nach diesem Vorfall übernahm ab etwa 1940 die Familie Meyer den Milchtransport – und das gleich über drei Generationen. Zunächst ging es noch mit Milchkannen und Pferdeanhänger zur Molkerei nach Börry, aber diesmal ehrlich, offen und ohne blinde Passagiere.

Sportverein – Bewegung seit 1947

Der Sportverein Hajen wurde 1947 gegründet – in einer Zeit, als das Dorf noch doppelt so viele Einwohner hatte wie heute. Der erste Sportplatz lag „im Bruche“, hinter dem Wildgehege, auf der rechten Seite. Gespielt wurde zunächst ausschließlich Männerfußball.

Doch das änderte sich bald: Eine erfolgreiche Frauen-Feldhandballmannschaft wurde gegründet – sportlich wie gesellschaftlich ein echtes Highlight. Der Sportplatz zog inzwischen in den Kuhkamp um, wo er sich bis heute befindet.

1978 kam die Damen-Gymnastikgruppe hinzu. Trainiert wurde zuerst im Gasthaus Zahn, später in der Halle in Kirchohsen. Irgendwann sagte man sich: Das geht auch selbst! Durch viel Eigenleistung entstand die Gymnastikhalle, und das Sportheim wurde erweitert.

Danach ging es Schlag auf Schlag: Kinderturnen, Seniorengymnastik, Wandern, Tischtennis und Darts kamen dazu.

1980 gründeten Latferder Fußballspieler, die zuvor im SV Hajen aktiv waren, ihren eigenen Verein. Und wie es manchmal so ist: 2024 fanden beide wieder zusammen – in der SG Hajen-Latferde e. V.