Der Ortsname „Hajen“

 

**Prof. Dr. J. Udolph** Sprachwissenschaftliches Seminar Göttingen   29.2.96

Deutung des Ortsnamens

8./9. Jh. (Abschr. 12. Jh.) *Hagen* (Trad. Fuld. 41, 100; Hellfaier/Last Nr. 241; Casemir-Ohainski);

1017 (K. 15. Jh.) *Hogen* (MGH. DH. II 465);

1025 *Hogen* (MGH. DK. II 22; Erhard II 88; Förstemann II,1,1299; der von Erhard und Förstemann in derselben Urkunde genannte und auf Hajen bezogene Beleg *Heigen* gehört nicht hierher, sondern zu Heyen (HOL), vgl. Kleinau I 281;

  1. Jh. *parva Hoja* (Berner 10 nach Kindlinger, Münsterische Beiträge 1779, Bd. II, Nr. 18, S. 107);

1197 *in Heigen* (Erhard II,1,252; Register bei Erhard stellt diesen Beleg zu *Hegen*; nach Förstemann II,1,1299 hierher); bleibt fern, gehört zu Heyen (HOL), vgl. Kleinau I 281;

1197 *Rubinus de hogen*; unsicher in der Zuordnung (Spilcker, UB. Everstein 30); von der Gesamtüberlieferung gesehen hat die Zuordnung zu Hajen viel für sich;

1245 *Bernhardus de Heygen*(doch wohle Heyen?) … *Johannes de Hogen* (Westfäl. UB. IV 236);

1252 *Iohannes de Hogen* (Westfäl. UB. IV 311);

1295 *plebanus in Hoge* (Westfäl. UB. IV 1063);

1309 *in Hogen* (… *unum mansum in Heyen* [= Heyen (HOL)]) (Westfäl. UB. IX 314);

1339 *in Hoyen* (UB. Hameln I 266);

1353 *Hoygen* (Hake 50);

Huisman 317 auf folgenden Fall hin: „das UB. Hameln verwechselt selbst die beiden Orte (zu Nr. 494: *Heyghen = Hajen*; im Inhalt (= Register) S. 679: *Heyghen = Heyen*!“. Gehört offensichtlich zu Heyen (HOL).

1361 *Hoyen* (Hake 45);

1389 *Hoygen* (Hake 68);

1395 *Hoyen* (Berner, Grohnde 59);

1470–1502 *to Hoyen* (Berner, Grohnde 59);

1525 *Heygen* (Hoogeweg, Westf. Zeitschrift 52, 1894, Abt. II, S. 119);

1653 *Haygen* (Mindener Geschichtsquellen II, S. 155);

**Lit.:** H. Berner, Alte Bauernhöfe im Amt Grohnde; Heft 1: Hajen, Bockenem 1937.

Zu den Belegen:

Gelegentlich wird die Zuordnung der Belege durch das nahe liegende Dorf Heyen (HOL) erschwert. H. Berner 9 meint sogar: „Dicht bei Hajen liegt das braunschweigische Dorf Heyen. Bis in die neuere Zeit geht die Schreibweise beider Ortschaften durcheinander …“. Wie eine sorgfältige Analyse zeigt, ist das aber keineswegs der Fall (s. Beiblatt). Im Gegenteil: die Trennung von Heyen ist gut durchführbar:

 Aber Verwechslungen kommen vor. So weist Huisman 317 auf folgenden Fall hin: „das UB. Hameln verwechselt selbst die beiden Orte (zu Nr. 494: *Heyghen = Hajen*; im Inhalt S. 679: *Heyghen = Heyen*!“. Huisman selbst begeht aber im nächsten Abschnitt selbst einen schweren Fehler, wenn er schreibt: „Ayen, Gemeinde Bergen: a. 1406 Ayen, Aien. : Hajen, westlich von Heyen, a. 1339 in Hoyen; vielleicht das anlautende h vom Nachbardorf Heyen …“. Der Anlaut ist Hajen genauso fest wie in Heyen.

 Bisherige Deutungen:

Förstemann II,1,1299 stellt unseren Namen mit der Bemerkung „Hajen u. Höhe an der Weser, Kr. Hameln“ zu germ. *hauh* „hoch“ in got. *hauhs*, ahd. *hōh, hō*, asä. *hōch* usw.

Freydanck 70 stellt den Namen zu *Hagen* usw.

Deutung: 

Wie *Hohe* (HOL) zu erklären. Förstemann II,1,1299 stellte diesen Namen wie *Hajen* zu denjenigen Formen, deren erster Teil den Stamm eines germ. Wortes ohne Flexion enthält. Gemeint ist got. *hauhs*, ahd. *hôh, hô*, asä. *hôh*, andd. auch *hâ* (in Namen), afries. *hāch, hāg*, mnd. *hōge, ho*, westfäl.-ndd. *hauge*. K. Bischoff, Germ. *haugaz* „Hügel, Grabhügel“ im Deutschen, Mainz–Wiesbaden 1975, S. 52, reihte den Namen unter die zu germ. *haug-* „Hügel“ gehörenden ein, fügt aber hinzu: „Bei Förstemann … wird *Haoga* nicht unter *HAUG*, sondern unter *HAUH* angeführt; fraglich, ob hierher.“

Man sollte Förstemann-Jellinghaus nicht in allem folgen. In jedem Fall gehört unser ON. zu den oben genannten beiden Wörtern, da germ. *haugaz* zum Adj. *hauhaz* im grammatischen Wechsel steht (K. Bischoff, op. cit., S. 3). Eine endgültige Entscheidung ist vielleicht nicht mehr zu treffen. Die Lage des Ortes spricht für die Deutung zu einem Wort für „hoch, Hügel“.